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RUSSLAND ALS „SICHERE INSEL“ IM GLOBALEN FINANZCHAOS?

Posted by Kris Roman on January 30, 2008

Jelena Sagorodnjaja, RIA NovostiBeim Wirtschaftsforum in Davos fallen selten Entscheidungen. Den idyllischen Skiort nutzen Wirtschaftshaie und politische Schwergewichtler jedoch gerne, um Entscheidungen zu besprechen, die Lawinen auslösen können.

Heute ist Davos ein renommierter und angesehener Ort für internationale Auftritte.

Die diesjährige Präsentation Russlands war überaus erfolgreich. Russlands Finanzminister Alexej Kudrin erklärte letzten Mittwoch, Russland könnte der Welt helfen, nicht ins globale Wirtschaftschaos abzugleiten. Am Donnerstag äußerte er sich schon konkreter dazu, wie diese Hilfe aussehen könnte.

Noch nie haben sich die Mitglieder der russischen Delegation in Davos so aufgehoben gefühlt. In der bisherigen Geschichte der Foren in Davos hatte Russland mitunter eine zentrale, meist aber eine negative Rolle gespielt. Im Regelfall wurden die Russen quasi zu Vorschulbuben degradiert, die auf einen Hocker klettern mussten, um vor den Erwachsenen ein Gedicht zu rezitieren.

Anfang der 90er Jahre brachten die Russen noch gerne fassweise Kaviar sowie Zigeuner mit tanzenden Bären nach Davos mit. Im Winter 1999, nach der verheerenden Finanzkrise, herrschte dann ein demonstratives Schweigen um die russische Delegation: Niemand wollte mit ihnen reden.

Russland, das in diesem Jahrhundert wichtiger geworden ist, ruft nun bei den Davoser Stammgästen mehr Respekt hervor. Mit Russlands Vertretern wurden zuweilen auch ernste Gespräche geführt, bei denen die Russen allerdings meist wenn schon nicht mehr die Rolle von Vorschulbuben, dann höchstens von Mittelschülern zu spielen hatten. Die russischen Gäste äußerten sich gern über die Rückzahlung der Außenschulden, lobten die neuen Gesetze über den Effektenmarkt über den grünen Klee und priesen Erfolge bei der Reform der Stromenergiewirtschaft an. Insgesamt traten sie aber als Vertreter eines nicht gerade reichen, nicht besonders glücklichen und auch in intellektueller Hinsicht nicht gerade hoch entwickelten Landes auf.

In diesem Winter agieren aber die russischen Delegationsmitglieder vor dem Hintergrund der betrübten Vertreter der politischen und der Wirtschaftselite wie echte Triumphatoren. Am Mittwoch mussten die Teilnehmer zugeben, dass es in der Tat eine Krise gibt. Ein Rezept dagegen wurde vorerst nicht gefunden. Der New Yorker Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini, der bereits beim Forum im vergangenen Jahr vor einer Krise gewarnt hatte, stellte nun fest: „Es ist kein Schnupfen, woran die USA leiden, dies ist eine Pneumonie.“ Der bekannte Financier George Soros verwies auf das Hauptsymptom der Erkrankung: Der Dollar ist tot. „Die jetzige Krise steht für das Ende der Ära der Kreditexpansion, die sich auf den Dollar als die internationale Reservewährung gestützt hat“, sagte er.

Triumphal klangen vor diesem Hintergrund Kudrins Erklärungen, Russland könnte als eine „Insel der Sicherheit“ und als ein „Sicherheitspolster“ dienen. Russlands BIP soll 2008 laut seiner Prognose um 6,7 Prozent wachsen (2007 waren es 7,6 Prozent). Die Jahresinflation soll dabei 8,5 Prozent betragen gegenüber 11,9 im vergangenen Jahr. Das „Polster“ sei der Stabilisierungsfonds, der der Zentralbank und der Regierung die Möglichkeit bietet, „ausreichende Mittel zu akkumulieren, um einen eventuell ausfallenden Zustrom von Krediten und Investitionen in Russland zu ersetzen und die Tilgung der Devisen-Verbindlichkeiten der russischen Unternehmen in beliebigem Umfang zu gewährleisten“. „Deshalb drohen uns im Zusammenhang mit der jetzigen internationalen Krise keine ernsthaften Erschütterungen“, fügte er hinzu. Im Stabilisierungsfonds sind derzeit 150 Milliarden Dollar akkumuliert, bis Ende dieses Jahres sollen es 200 Milliarden Dollar werden.

Nun reicht unsere Insel, die auf dem Stabilisierungspolster basiert, der restlichen Welt die Hand. „Als ein Land mit beträchtlichen Reserven könnte Russland bei der Milderung der internationalen Krise hilfreich sein“, so der Finanzminister. Er präzisierte allerdings nicht, worin diese Hilfe bestehen könnte.

Mehr Klarheit brachte das Seminar „Souveräne Wohlstandsfonds – Erfindungen und Realität“ am Donnerstag. Offenbar hatte Kudrin unter der Hilfe für die Welt Geld aus dem Stabilisierungsfonds gemeint. Vom 1. Februar an wird der Fonds allerdings in zwei aufgeteilt: den Reservefonds und den Wohlstandsfonds. Dies ist aber insofern nicht weiter wichtig, sollen doch bis zu 60 Prozent der Mittel aus beiden Fonds in die internationalen Finanzmärkte investiert werden.

Beim Seminar in Davos ging es um Fonds ähnlichen Typs wie der russische. Diese haben alle zusammen bereits 3,2 Billionen Dollar akkumuliert. In Davos wurde darüber diskutiert, wie diese Fonds genutzt werden könnten. Russland scheint diesbezüglich seine Wahl bereits getroffen zu haben.

Laut einem soeben veröffentlichten Regierungsbeschluss über die Verwaltung der Gelder des Wohlstandsfonds wird mindestens die Hälfte in Staatspapiere von 14 Ländern investiert: Österreich, Belgien, Großbritannien, Deutschland, Dänemark, Irland, Spanien, Kanada, Luxemburg, Niederlande, USA, Finnland, Frankreich und Schweden. Der Rest geht dann in die Wertpapiere ausländischer Staatsagenturen und Zentralbanken (höchstens 30 Prozent des Gesamtumfangs des Fonds), in Wertpapiere der zuverlässigsten internationalen Finanzinstitutionen (höchstens 15 Prozent) und in die ausländischen Bankdepositen (höchstens 30 Prozent).

Sollten alle 30 Länder, die die oben erwähnten 3,2 Billionen Dollar für „alle Fälle“ zurückgelegt haben, heute beschließen, dass „alle Fälle“ heute eingetreten sind, und zumindest einen Teil dieses Geldberges auf die internationalen Finanzmärkte bringen, so würden die Pessimisten für lange verstummen. Vorausgesetzt, die Besitzer der „Sicherheitspolster“ diese koordiniert einsetzen und dadurch keine neue Krise verursachen.

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